Wir haben an dieser Stelle bereits mehrfach über unseren Versuch Rüben in Direktsaat anzubauen berichtet. Die Wetterextreme nehmen zu und so hatten wir im sehr feuchten Jahr 2024 erstmals auf
einer Fläche in Hanglage stärkere Erosion auf einer Zuckerrübenfläche. Wir legen einen sehr großen Wert auf unseren Boden, daher hat uns das sehr geärgert und wir haben beschlossen 2025 auf
einer gefährdeten Fläche die Rüben in Direktsaat anzubauen. Hierbei werden sie ohne jede Bodenbearbeitung in eine gemulchte Zwischenfrucht gesät. Dadurch ist der Boden fest, wird von den
verbliebenen Zwischenfruchtwurzeln festgehalten und vom Mulch vor Regen geschützt, sodass Erosion nahezu ausgeschlossen ist. Allerdings ist dieses Verfahren sehr ungewöhnlich und stellt
höchste Anforderungen an die Technik. Ein Kollege mit besserer Technik hat uns deshalb geholfen, aber nicht einmal der Sämaschinenhersteller konnte uns sicher sagen ob es funktioniert.
Mittlerweile sind die Rüben alle in der Fabrik verarbeitet, sodass wir ein Fazit ziehen können und so können wir sagen: Es hat funktioniert, allerdings mit Licht und Schatten.
Der Schatten:
Die Saat hat grundsätzlich funktioniert. Trotz erhöhter Saatstärke jedoch etwas lückig, da die Saat ohne Bodenbearbeitung sehr schwierig ist. Beim nächsten Mal muss die Saatstärke ggf. noch
etwas erhöht werden.
Die Zwischenfrucht stirbt durch Mulchen bei Frost ab. Auf einigen Stellen wo der Boden besonders mager ist, hat aber v.a. Ölrettich überlebt, da die Pflanzen resilienter sind, wenn sie
„hungrig“ sind. Ein mühsames Entfernen von Hand war nötig. Beim nächsten Mal muss hier eine Zwischenfruchtmischung aus zuverlässiger abfrierenden Arten gewählt werden.
Ohne Bodenbearbeitung erwärmt sich der Boden im Frühjahr langsamer, wodurch die Pflanzen langsamer wachsen. Das hat zu einem Entwicklungsrückstand von ca. 2-3 Wochen im Vergleich zu den
„klassisch“ gesäten Rüben geführt.
Das Licht:
Der Erosionsschutz wurde im sehr trockenen Jahr 2025 nicht gefordert. Bei den wenigen etwas stärkeren Regenfällen lies sich aber erahnen, dass es wohl auch stärkeren Ereignissen standgehalten
hätte. Bis weit in den Sommer hinein war noch Mulchmaterial am Boden, selbst bei der Ernte noch vereinzelt. Das schützt nicht nur vor Erosion, sondern ist auch bestes Regenwurmfutter.
Ohne Bodenbearbeitung werden weniger Unkräuter zum Keimen angeregt, die Unkrautkontrolle war deutlich einfacher, nur der Ölrettich hat uns das Leben schwer gemacht (s.o.).
Jede Bodenbearbeitung kostet Wasser, die Mulchauflage bietet einen Verdunstungsschutz, die Wasserinfiltration ist im unbearbeiteten Boden besser – kurz der Wasserhaushalt ist ohne
Bodenbearbeitung etwas besser. Dies ließ sich in den Trockenphasen im Sommer erahnen, in denen die Rüben etwas länger durchgehalten haben.
Wichtig ist aber was am Ende dabei rauskommt und das hat leider doch etwas enttäuscht. Die Direktsaatrüben waren etwa 12,5% schlechter als die „klassischen“. Das System verursacht jedoch auch
etwas geringere Kosten (z.B. keine Bodenbearbeitung, also auch keine Kosten hierfür), sodass ein etwas niedrigerer Ertrag wirtschaftlich gleich wäre. So wäre ein etwa 7,5% schlechterer Ertrag
verkraftbar, 12,5% sind aber Zuviel. Für einen ersten Versuch aber nicht schlecht.
Dieses Jahr haben wir keine erosionsgefährdeten Flächen im Anbau, sodass wir alle Rüben „klassisch“ säen werden. Nächstes Jahr steht wieder eine gefährdete Fläche auf dem Plan, bis dahin
haben wir jetzt Zeit zu überlegen wie wir das System verbessern können, oder ob wir eine andere Alternative ausprobieren möchten.










